Warum
ausgerechnet Alaska?
Diese Frage bekam ich in letzter Zeit häufig gestellt und ich habe
sie mir auch schon oft selbst gestellt. Nach wie vor fällt es mir
schwer eine alles umfassende, passende Antwort zu formulieren. Eines weiß ich
jedoch: ich bin froh es gemacht zu haben! Das Land, die Bewohner, die Möglichkeiten
für Rollstuhlfahrer, das Klima, das Rennen und die Teilnehmer- alles
zusammen war/ist eine großartige Erfahrung..
Beim Anflug auf Anchorage wurde beim Blick aus dem Flugzeug schon deutlich,
was ich vorher nur gelesen hatte. Alaska ist sehr groß und hat faszinierend
viel „Weite“. Es ist so, wie ich es zu einem späteren
Zeitpunkt auf einer Postkarte las: in Alaska ist alles ein bisschen größer.
Bei der Vorstellung diese Straßen bald mit dem Bike zu befahren,
schlich sich bei mir ein mulmiges Gefühl ein. Im Rennen waren die
Straßen dann oft tatsächlich genauso endlos, wie sie auch von
oben aussahen. In Alaska ist der Sadlers Ultra Challenge ein bekanntes
Ereignis - viele Menschen sind über das Rennen informiert und man
wird oft angesprochen, ob man Teilnehmer ist. Überall trifft man auf
Begeisterung und Hilfsbereitschaft. Si hatte ich das Glück gleich
im Flughafen einen ehemaligen Volunteer des Rennens zu treffen, der
mir anbot mein Bike mit seinem Pick up in das Hotel zu fahren. Die
erste
Herausforderung, allein mit Bike zu fliegen und komplett im Hotel anzukommen,
war bestanden!
Letztlich war es sehr gut, dass man sich so früh für die Teilnahme
bewerben musste (aber auch Spätmelder bekommen oft noch einen Platz).
Je näher der Termin kam, desto mehr verließ mich mein Mut und
ich stellte mir selbst die eingangs bereits erwähnte Frage, die ich
in den nächsten Tagen noch so oft gestellt bekommen sollte „warum?“ Ein
Tag vor meinem Abflug wurde das Streckenprofil ins Internet gestellt und
ich war wirklich entsetzt. Ich machte mir selbst Mut, dass es ja meistens
nicht so schlimm ist, wie es aussieht. Doch diesmal war das Streckenprofil
genauso anspruchsvoll wie es aussah, zumindest für mich, die ich
vor steilen Berganstiegen so viel Respekt habe.
Die ersten zwei Tage waren, wie von den erfahrenen Teilnehmern bereits
vorab angekündigt, die Schlimmsten. Am zweiten Tag schüttete
es zusätzlich am Start wie aus Kübeln. Später regnete es
nur noch und wenn es zwischendurch aufhörte, hatten wir alle mit dem
heftigsten Gegenwind zu kämpfen. Für mich waren es die härtesten
Bedingungen, bei denen ich bisher gefahren bin. Die ganze Zeit fragte ich
mich, wie andere Teilnehmer eine solche Strapaze freiwillig ein zweites
Mal oder gar noch öfter auf sich nehmen konnten? Als an diesem Tag
das wohl zur Motivation aufgestellte Schild „10 Miles to finish“ und
später auch noch „1Mile to finish!“ auftauchte war ich
jeweils dem Aufgeben nahe, weil ich mich dem Ziel viel näher hoffte.
Außerdem war ich (wie so oft) an beiden Tagen am Start zu langsam,
sodass ich zwar ein paar Männer einholte (und überholte!), aber
hauptsächlich alleine fuhr. Dies änderte sich glücklicherweise
in den nächsten Tagen. Gerade auf diesen langen Straßen
in Alaska und auch mit dem Gegenwind ist das Fahren in einer Gruppe,
im
Vergleich
zum allein fahren, ein riesiger Vorteil.
Das Rennen ist großartig organisiert. Jeder Racer bekommt ein Begleitfahrzeug
und jeweils zwei Volunteers (Freiwillige), die ihn unterstützen und
während des Rennens auf den öffentlichen Straßen und Highways
von hinten mit dem Begleitfahrzeug schützen. Mit „meinen“ beiden
Frauen Wendy und Verena hatte ich echtes Glück und wir sind schnell
ein echtes Team gewesen! Die Strecken waren alle geteert, wobei man auf
ein paar Schlaglöcher achten musste.
Am vierten Tag bin ich in einer Dreier-Gruppe mit der späteren Zweitplazierten
Cheri Blauwet gefahren, die mir an diesem Tag nicht davon fahren konnte
und das tat meinem „Handbike-Ego“ schon sehr gut. Insgesamt
bin ich dritte geworden. Natürlich ist eine Platzierung und Erste/r
sein sehr schön, aber darauf kommt es beim Sadlers Ultra Challenge
nicht so stark an wie bei anderen Rennen. Das dabei sein und ankommen ist
das wirklich Ausschlaggebende und so wird auch noch der Letzte im Ziel
von jedem (auch dem Ersten) verdientermaßen bejubelt. Aber die Gewinner
verdienen natürlich besonders ihre Erwähnung: Bei den Frauen
siegte Monica Bascio aus den USA, wie auch in den vier Jahren zuvor. Bei
den Männern lag in der Gruppe C Alejandro Albor aus den USA ganz
vorn und in der Gruppe B gewann Peer Bartels aus Deutschland zum zweiten
Mal.
Im Rennrollstuhl waren vier Teilnehmer am Start und Paul Nunnari aus
Australien sicherte sich den ersten Platz.
Längst nicht ganz Alaska ist im ständigen Winter. Ich habe sogar
die Sonnencreme gebraucht und 30° sind im Sommer keine Seltenheit.
Alaska ist 1,7 Mio. km_ groß. Gletscher sind in den Bergen Süd-
und Südost-Alaskas zu bestaunen, die Eisbären leben in der Packeiszone
der Polarmeerküste im Norden und dazwischen gibt es eine atemberaubend,
vielfältige Landschaft. Im Sommer wird es in Alaska fast gar nicht
dunkel. Um Mitternacht ist es immer noch taghell, was sich in der beeindruckenden
Vegetation widerspiegelt.
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