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Race of a Lifetime!
Der Alaska-Virus!


Im vergangenen Jahr habe ich als erste Europäerin am Sadler’s Ultra Challenge in Alaska teilgenommen, laut Veranstalter das längste und härteste Handbikerennen der Welt. Von dieser ganz besonderen Erfahrung habe ich hier 2006 bereits berichtet und im Laufe des Jahres mit viel Freude immer wieder daran zurückgedacht. Die Erfahrung des Rennens hat mir noch oft viel Kraft und Mut gegeben. So musste ich nicht lange überlegen, als mich Heather, die Direktorin des Rennens, in diesem Jahr Ende Mai anrief um zu fragen, ob ich nicht auch in diesem Jahr starten wolle? Als nicht ganz unbedeutende Entscheidungshilfe hat mir Condor den Flug gesponsert - bei solch einer Einladung und Unterstützung konnte ich nicht widerstehen. Auch meine so geschätzten Kontaktpersonen der Firmen Astra Tech und Schwalbe haben mich sofort motiviert noch einmal teilzunehmen. Diese spontane Entscheidung haben glücklicherweise auch meine ArbeitskollegInnen mit getragen, so dass mich nichts mehr aufhalten konnte.

Unterwegs in AlaskaEs war, trotz der kurzen Vorbereitungszeit, die absolut richtige Entscheidung. Das Wetter hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass mir das Rennen noch viel schöner und auch körperlich nicht so anstrengend wie im Vorjahr erschien. Dieses Jahr hat es, im Gegensatz zu fast allen 22 Vorjahren, nicht einen Tag während des Rennens geregnet. Es war fantastisch! Die Strecke blieb bei 426km, wurde aber vom Verlauf einmal mehr verändert und wir sind ein wunderbares Stück durch den Denali National Park fahren. Eine besondere Ehre, da hier sonst nur die Busse der Nationalparks fahren dürfen und die Straßen für den öffentlichen Verkehr gesperrt sind. Ausgerechnet auf dieser Strecke der Denali Park Road war das Einzelzeitfahren, bei dem es fast nur bergauf ging. Eine Bergetappe, bei der ich Zweite geworden bin. Dies war auch das einzige Einzelzeitfahren, bei dem ich nicht Erste geworden bin. Den Park und die Landschaft konnte ich dann NACH der Etappe bei der gemeinsamen „Abfahrt“ zum Ausgang des Parks genießen.

Respekt und auch etwas Bedenken hatte ich wegen der Änderung, dass es dieses Jahr vier Tage mit über 50 Meilen (über 80 Kilometer) gab. Doch, ich habe alles viel besser geschafft als im letzten Jahr und konnte sogar vor dem Einzelzeitfahren der letzten Etappe abends noch eine Tour mit dem Kajak genießen. Zu meiner Riesenfreude konnte ich nach der Kajaktour am nächsten und letzten Tag mit 2 Minuten Vorsprung das Einzelzeitfahren gewinnen! Dies war die gleiche Strecke wie im Vorjahr und ich war auf 8,5 Meilen insgesamt vier Minuten schneller als 2006.

Bei den Männern gab es in zwei Divisionen einen Kampf der Favoriten um den ersten Platz. Zum ersten Mal wurde die C-Division unterschieden in Knie- und Liegebiker. In der Division der Liegebiker gab es einen harten, aber fairen Kampf zwischen Alejandro Albor aus USA und Ernst van Dyk aus Südafrika. Die Sadler’s Ultra Challenge hat Alejandro zum fünften Mal für sich entscheiden können. Bei der Weltmeisterschaft ein paar Wochen später in Frankreich hat dann Ernst gewonnen. Auch bei den Männern in der Division B, dieses Jahr mit 9 Teilnehmern die größte Division, war der Sieg besonders umkämpft von dem deutschen Vorjahressieger und Favoriten Peer Bartels und dem Amerikaner David Lee. David hat sowohl die Weltmeisterschaft als auch die Sadler’s Ultra Challenge gewonnen. Bei den Rennrollstuhlfahrern hat wiederholt ganz deutlich und in enormer Form, der Australier Paul Nunnari gewonnen. Er hat dabei auch einige der Handbiker überholt. Die Division C der Liegebiker hat der ebenfalls Sadlers’s Ultra Challenge erfahrene Amerikaner Scott Davidson gewonnen.

In der Frauendivision konnte Sherry Shulz, die dieses Rennen schon seit Jahren kennt und bereits mehrmals gestartet ist, zum ersten mal den Sieg holen. Ich bin dieses Jahr über 15 Minuten schneller als im Vorjahr gefahren und damit Zweite geworden! Von den drei Einzelzeitfahren habe ich zwei gewonnen. Auch eine Tagesettape konnte ich nach spannenden letzten 10 Kilometern, in denen ich Sherry wieder eingeholt, überholt und tatsächlich abhängen konnte, gewinnen. Ein besonders toller Tag und insgesamt ein fantastisches, total schönes und wieder supermotivierendes Gesamtrennen für mich!
Dieses Jahr konnte ich nach dem Rennen nur noch drei Tage in Anchorage bleiben. Doch auch hier gab es einiges zu sehen und ich konnte einmal mehr die besonders unkomplizierte Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Alaskaner genießen. Dies scheint es übrigens unabhängig vom Rollstuhl zu geben. Meine Volunteerin Vera aus Österreich hat mir ganz ähnliche Erfahrungen berichtet. Fragt man in Alaska nach dem Weg, wird man gar nicht selten direkt hingebracht. Auch, dass in der Kajakgruppe eine Rollstuhlfahrerin war hat dem Vermieter nicht eine Frage, Zweifel oder die berühmten versicherungsrechtlichen Bedenken entlockt. Hier lässt sich gut relaxen und genießen!

Kann man es hören? Ich bin infiziert mit einer gewissen Sehnsucht nach Alaska und der Sadler’s Ultra Challenge und mache bereits Pläne für meine nächste Teilnahme!

   
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Those who can do this, can do anything!

Die Veranstalter übertreiben nicht, wenn sie die Sadlers Ultra Challenge als "Race of Lifetime" bezeichnen. Zu diesem härtesten Handbike- und Rollstuhlrennen der Welt kommen Teilnehmer von allen Kontinenten. In Alaska und rund um die Welt verfolgen Familienangehörige und Fans dieses besondere Rennen über Fernsehen, Internet und Presse. Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt und ich freue mich ganz besonders dabei sein zu können. Lange Anstiege, Gegenwind und auch die Straßen- bzw. Asphaltqualität werden Sportlern und Material eine Menge abverlangen. Zu bewältigen sind 297 Meilen (426 Kilometer) in 6 Tagen, die Strecke verläuft von Fairbanks nach Anchorage, wo am letzten Renntag ein Einzelzeitfahren stattfinden wird. In Anchorage wird auch zum erfolgreichen Abschluss ein Festessen mit den dortigen Sponsoren veranstaltet. In den letzten Jahren wurde das Rennen u.a. von Coca-Cola und Alyeska Pipeline unterstützt
(www.challengealaska.org).
Warten auf den Startschuss
   
 

Warum ausgerechnet Alaska?

Diese Frage bekam ich in letzter Zeit häufig gestellt und ich habe sie mir auch schon oft selbst gestellt. Nach wie vor fällt es mir schwer eine alles umfassende, passende Antwort zu formulieren. Eines weiß ich jedoch: ich bin froh es gemacht zu haben! Das Land, die Bewohner, die Möglichkeiten für Rollstuhlfahrer, das Klima, das Rennen und die Teilnehmer- alles zusammen war/ist eine großartige Erfahrung..

Beim Anflug auf Anchorage wurde beim Blick aus dem Flugzeug schon deutlich, was ich vorher nur gelesen hatte. Alaska ist sehr groß und hat faszinierend viel „Weite“. Es ist so, wie ich es zu einem späteren Zeitpunkt auf einer Postkarte las: in Alaska ist alles ein bisschen größer. Bei der Vorstellung diese Straßen bald mit dem Bike zu befahren, schlich sich bei mir ein mulmiges Gefühl ein. Im Rennen waren die Straßen dann oft tatsächlich genauso endlos, wie sie auch von oben aussahen. In Alaska ist der Sadlers Ultra Challenge ein bekanntes Ereignis - viele Menschen sind über das Rennen informiert und man wird oft angesprochen, ob man Teilnehmer ist. Überall trifft man auf Begeisterung und Hilfsbereitschaft. Si hatte ich das Glück gleich im Flughafen einen ehemaligen Volunteer des Rennens zu treffen, der mir anbot mein Bike mit seinem Pick up in das Hotel zu fahren. Die erste Herausforderung, allein mit Bike zu fliegen und komplett im Hotel anzukommen, war bestanden!

Letztlich war es sehr gut, dass man sich so früh für die Teilnahme bewerben musste (aber auch Spätmelder bekommen oft noch einen Platz). Je näher der Termin kam, desto mehr verließ mich mein Mut und ich stellte mir selbst die eingangs bereits erwähnte Frage, die ich in den nächsten Tagen noch so oft gestellt bekommen sollte „warum?“ Ein Tag vor meinem Abflug wurde das Streckenprofil ins Internet gestellt und ich war wirklich entsetzt. Ich machte mir selbst Mut, dass es ja meistens nicht so schlimm ist, wie es aussieht. Doch diesmal war das Streckenprofil genauso anspruchsvoll wie es aussah, zumindest für mich, die ich vor steilen Berganstiegen so viel Respekt habe.

Die ersten zwei Tage waren, wie von den erfahrenen Teilnehmern bereits vorab angekündigt, die Schlimmsten. Am zweiten Tag schüttete es zusätzlich am Start wie aus Kübeln. Später regnete es nur noch und wenn es zwischendurch aufhörte, hatten wir alle mit dem heftigsten Gegenwind zu kämpfen. Für mich waren es die härtesten Bedingungen, bei denen ich bisher gefahren bin. Die ganze Zeit fragte ich mich, wie andere Teilnehmer eine solche Strapaze freiwillig ein zweites Mal oder gar noch öfter auf sich nehmen konnten? Als an diesem Tag das wohl zur Motivation aufgestellte Schild „10 Miles to finish“ und später auch noch „1Mile to finish!“ auftauchte war ich jeweils dem Aufgeben nahe, weil ich mich dem Ziel viel näher hoffte. Außerdem war ich (wie so oft) an beiden Tagen am Start zu langsam, sodass ich zwar ein paar Männer einholte (und überholte!), aber hauptsächlich alleine fuhr. Dies änderte sich glücklicherweise in den nächsten Tagen. Gerade auf diesen langen Straßen in Alaska und auch mit dem Gegenwind ist das Fahren in einer Gruppe, im Vergleich zum allein fahren, ein riesiger Vorteil.

Das Rennen ist großartig organisiert. Jeder Racer bekommt ein Begleitfahrzeug und jeweils zwei Volunteers (Freiwillige), die ihn unterstützen und während des Rennens auf den öffentlichen Straßen und Highways von hinten mit dem Begleitfahrzeug schützen. Mit „meinen“ beiden Frauen Wendy und Verena hatte ich echtes Glück und wir sind schnell ein echtes Team gewesen! Die Strecken waren alle geteert, wobei man auf ein paar Schlaglöcher achten musste.

Am vierten Tag bin ich in einer Dreier-Gruppe mit der späteren Zweitplazierten Cheri Blauwet gefahren, die mir an diesem Tag nicht davon fahren konnte und das tat meinem „Handbike-Ego“ schon sehr gut. Insgesamt bin ich dritte geworden. Natürlich ist eine Platzierung und Erste/r sein sehr schön, aber darauf kommt es beim Sadlers Ultra Challenge nicht so stark an wie bei anderen Rennen. Das dabei sein und ankommen ist das wirklich Ausschlaggebende und so wird auch noch der Letzte im Ziel von jedem (auch dem Ersten) verdientermaßen bejubelt. Aber die Gewinner verdienen natürlich besonders ihre Erwähnung: Bei den Frauen siegte Monica Bascio aus den USA, wie auch in den vier Jahren zuvor. Bei den Männern lag in der Gruppe C Alejandro Albor aus den USA ganz vorn und in der Gruppe B gewann Peer Bartels aus Deutschland zum zweiten Mal. Im Rennrollstuhl waren vier Teilnehmer am Start und Paul Nunnari aus Australien sicherte sich den ersten Platz.

Längst nicht ganz Alaska ist im ständigen Winter. Ich habe sogar die Sonnencreme gebraucht und 30° sind im Sommer keine Seltenheit. Alaska ist 1,7 Mio. km_ groß. Gletscher sind in den Bergen Süd- und Südost-Alaskas zu bestaunen, die Eisbären leben in der Packeiszone der Polarmeerküste im Norden und dazwischen gibt es eine atemberaubend, vielfältige Landschaft. Im Sommer wird es in Alaska fast gar nicht dunkel. Um Mitternacht ist es immer noch taghell, was sich in der beeindruckenden Vegetation widerspiegelt.

  Weitblick in AlaskaVon den Tieren Alaskas habe ich auf einer Gletschertour ein paar Tage nach dem Rennen einen Wal gesehen und auch ein paar Puffins (Papageitaucher) flogen um das Boot. Bei dieser Tour konnten wir vom sicheren Boot aus an Land einen (Schwarz-)Bären beobachten. An der Rennstrecke hatte einer der Volunteers ebenfalls einen Bären gesehen und ab dann fuhr ein Begleitauto immer hupend die Straße auf und ab, damit es zu keiner Begegnung zwischen Bär und Racer kam. Zu einer weiteren Begegnung der Racer mit den Tieren Alaska kam es als ein Elch die Straße kreuzt. Diese Begegnungen blieben aber alle ohne Auswirkungen. Ich traf einen kleinen Elch bei einer reinen Ausflugsfahrt ein paar Tage vor dem Start des Rennens direkt neben dem Weg. Als ich feststellte, dass der Elch scheinbar genauso neugierig auf mich war wie ich auf ihn fuhr ich lieber, ohne ein Foto zu machen, zügig weiter. Sicher ist sicher. Die aggressivsten der Tiere in Alaska scheinen mir aber die Moskitos zu sein. Ohne Moskitoschutz fallen die Viecher gnadenlos über jeden her und ich habe deutlich gemerkt, wenn mein Sprühschutz nach ein paar Stunden nachließ.

Während der Renn-Woche wurde ich von einem Fernsehteam interviewt und bekam auch die Frage gestellt, ob ich nächstes Jahr wieder kommen würde und mein „vielleicht, ich werde es versuchen“ war tatsächlich ehrlich gemeint! Das Rennen wurde nicht wesentlich einfacher nach dem zweiten Tag, aber inzwischen waren wir alle zu einer Gemeinschaft geworden und die Atmosphäre des Rennes ist nicht zu beschreiben. Trotz der Strapazen verstehe ich nun sehr gut, dass einige Teilnehmer (übrigens auch einige Volunteers) immer wieder kommen. Manche Dinge muss man erleben um sie verstehen zu können!
   
 

Aber es sind auch noch andere Rennen geplant:

Teilnahme an allen Marathons der HCT-Serie (Handbike Citymarathon Trophy www.handbiken.de )
und weiteren Rennen.
Die genauen Renntermine:

24.09.2006 Real Berlin Marathon
08.10.2006 Ford Köln Marathon
29.10.2006 Messefrankfurt Marathon

Haben Sie Interesse mich bei diesen Rennen zu unterstützen? Schicken Sie mir einfach eine E-Mail.

   

 

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